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Biographie Eddy Scharf

Autor: QuantumStraight | Datum: So. 5. August 2007 | Quelle: Eddy Scharf

Eduard “Eddy” Scharf - erfolgreichster deutscher Pokerer aller Zeiten Eduard Scharf ist ein “escht Kölscher Jung”. Am 7. November 1953 wurde er in der Domstadt geboren. Vom dritten bis zum zwölften Lebensjahr lebte seine Familie in Guelph Ontario, Kanada. Seine flotte kölsche Mundart hat er dabei nicht eingebüßt.


Zurück in Deutschland, lernte Ed seine spielverrückte Verwandtschaft kennen: “Wir hatten immer das neueste Gesellschaftsspiel. Aber am meisten wurde Skat, Doppelkopf und Monopoly gespielt, und das immer mit riesengroßen Ehrgeiz”, verrät Deutschlands erfolgreichster Pokerspieler.

Darunter waren auch Idealisten wie sein Cousin Hans, der beim Roulette 100 Mark setzte, den gesamten Gewinn

wieder und wieder setzte, bis er bei 30.000 Mark angelangt war, die Hälfte behielt, verlor, mit dem Rest in den urlaub fuhr und das ganze Geld standesgemäß verballerte. Eduard Scharf schmunzelnd: “Wie die Geschichte zeigt, bin ich erblich vorbelastet.”

Casino totale
Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter betrat Eddy als erstes ein Casino. Der erste Gewinn: 50 Mark. Legte mit 19 Jahren sein Abitur ab, ging anschließend zur Bundeswehr, und arbeitete - wo wohl? - an der Bar. Jeden Abend wurde Skat gespielt – meistens um den Sold. Raten Sie mal, wer seinen Sold behielt und andere einstrich …

So richtig gezockt wurde erst im Urlaub mit seinem besten Freund Peter. Eigentlich sollte es an den Genfer See gehen. Die Beiden landeten aber in Monte Carlo. Das Geld reichte allerdings nur für vier Tage Hotel ohne Spielen - alternativ für zwei Tage Hotel mit Spielen. Die Entscheidung fiel schnell: Zwei Tage zocken! Daraus wurde eine Woche. Vom zweiten Tag spielten Ed und Peter von ihrem gewonnenen Geld nachmittags auf dem berühmten Center Court von Monte Carlo Tennis. Am Ende war das Geld zwar weg, aber das Erlebnis ist unvergessen.

Der Überflieger
Wer nun glaubt, Eddy ist ein Poker-Desperado, hat sich verzockt. Eduard Scharf führt hauptberuflich ein Leben ohne Scheinwerferlicht, Odds und Outs: Er ist Berufspilot und arbeitet für eine große deutsche Fluggesellschaft. Die Pilotenschule begann er im Alter von 20 Jahren in Bremen, Deutschland und in Phoenix, Arizona. 1975 begann der aktive Flugdienst. Flugzeugtypen wie die Boeing 727, 737, 747, der DC10 und Airbus 310 waren Scharfs Arbeitsplatz. “Eine tolle Zeit vor allem in den 80er Jahren auf der DC10. Jeder Flug war eine Urlaubsreise mit einem Aufenthalt.”

Auf einem dieser Wochenstopps machte Eddy Scharf einen Abstecher nach Vegas. Diesmal mit einem Blackjack-Buch unterm Arm. “Ich hatte die Lektüre sehr genau studiert, allerdings ließ ich das Kapitel ‚Wie werde ich nicht des Casinos verwiesen’ aus. Ein Fehler, wie sich später herausstellte.” Eddy Scharf bekam eine Casinosperre. Nicht ungewöhnlich. Nahezu jedem Pokerspieler ist dies schon mal passiert. Casinos mögen Gewinner nicht besonders.

Damals dachte Eddy Scharf noch nicht daran, mit Kartenspielen Geld zu verdienen. “Für mich war der finanzielle Verlust bei einer Immobilienanlage ausschlaggebend, eine so genannte “solide Anlage” stellte sich als reines Glückspiel heraus. Ein befreundeter Finanzberater sagte mir, ich solle das machen, was ich kann, und nicht was andere können.” Da fiel der Startschuss zur Pokerkarriere. Sein Bankroll: 5.000 Mark. “Wenn die weg sind, ist es auch mit Poker vorbei”, beruhigte er seine Frau. Er hielt Wort. Bis heute. Sein Versprechen ist nun fast 15 Jahre her.

Welt-Touren und Welt-Turniere
Es folgten Spiele in Wiesbaden, Amsterdam und Vegas mit Pokervarianten wie Limit Hold’em, Pot Limit Hold’em und 7 Card Stud. Erster nennenswerter Turniererfolg war 1996 in Wien: 2. Platz im No Limit Hold’em und 1. Platz im Omaha. “Keiner wusste damals wirklich, wie das Spiel funktioniert. Ich auch nicht. Bei den Masterclassics in Amsterdam 1998 konnte ich den 1. Platz im Limit Hold’em, einer der größten europäischen Turniere seinerzeit belegen.”

Wermutstropfen an diesem Abend: Eddy Scharfs Porsche, den er sich von seinem ersten größerem Gewinn geleistet hatte, wurde in Amsterdam gestohlen, während er am Pokertisch saß.

Poker-Krimis
Poker um die Jahrtausendwende bedeutete in erster Linie Cash-Game. 2001 kam der Durchbruch auf der World Series of Poker (WSOP). Gespielt wurde Omaha Limit. Am Finaltisch saßen Pokerlegenden wie Sklansky, Cunningham, McEvoy und Tony Cousineau. Erstes Mal im Geld und gleich gewonnen (erstes Bracelet).

2003 gewinnt Eddy Scharf sein zweites Bracelet im gleichen Turnier. Besonders erfreulich: Phil Hellmuth wollte unbedingt sein 10. Bracelet holen und hatte einen großen Stack am Finale Table. Ebenso mit dabei: Men the Master, Steve Zoltow, Dave Colclough und Tony Cousineau. Max Shapiro schrieb: “Das größte Comeback in der 2003 WSOP.”

Runter bis zu den letzten Chips fingen Phil Hellmuth und Men the Master an, sich das Preisgeld zu teilen, während noch Dave Colclough am Tisch saß. “Durch einen Spielfehler von Phil Hellmuth gewann ich mein All-In-Spiel. Als ich ihm dann noch vorschlug, doch lieber mit seinen Kinder zu spielen, anstatt eine Pokervariante zu versuchen, die er nicht beherrscht, verlor er nicht nur die Fassung, sondern auch seine Chips. Er wurde Dritter.”

Ed Scharf ist der einzige Deutsche mit zwei Bracelets. In Europa gibt es überhaupt nur vier Spieler, die zwei Bracelets ihr eigenen nennen. Limit Omaha wurde ab 2004 auf der WSOP nicht mehr gespielt. 2004 spielte Eddy Scharf das zweite Mal das Main Event - damals das größte Turnier der Geschichte - und wurde Fünfzehnter von mehr als 2.500 Mitspielern: “Meine letzten Jetons verlor ich dann gegen den späteren Sieger Greg Raymer und ging mit 275.000 Dollar nach Hause.”

In dieser Zeit reihte sich Erfolg an Erfolg: “2005 spielte ich zum ersten Mal mehrere Turniere bei der WSOP, kam einige Male ins Geld und erreichte zwei Finale Table. Limit Hold’em und 5.000 Omaha Pot Limit mit Rebuys und Doppelten Addon. Als einziger Spieler des Turniers erreichte ich den Finale Table ohne Rebuy und Addon. Der Final Table war einer der stärksten, die man sich vorstellen kann: Ivey, Hellmuth, Cunningham, Williamson, Sunnar, Stockinger, Cohen. Ich machte den 7. Platz und gewann 88.000 Dollar.”

2007 flatterte eine Einladung zur Premier Leauge Poker zu Eduard Scharf ins Haus. Die Gegner nicht geringer als Devilfish, Andy Black, Kenna James, Tony G, Phil Hellmuth, Roland De Wolfe, Liz Lieu, Vicky Coren, Juha Helppi, Ian Frazer und Kirill Gerasimov. Resultat: Zweiter Platz nach der Vorrunde und Zweiter Platz am Finale Table hinter Juha Helppi.

Es folgten Fernsehauftritte in der Pokerschule auf DSF. Auch als Kommentator ist Eddy Scharf immer gern gesehen. Er kommentierte bereits Turniere wie die German Poker Open und war Co-Kommentar bei der Premier Leauge Poker in England auf Channel 4.

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